Hände mit einem Foto

Sterben, Tod und Trauer in der Schule

Über meine Lebensgefährtin erhielt ich eine Anfrage aus der Oberschule „Ehm Welk“ in Lübbenau:  Vor Schülern der 8., 9. und 10. Klasse sollte ich über die oben genannten Themen sowie über Hospize und insbesondere das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin sprechen. Hier nun mein Erfahrungsbericht:

An einem Freitag im November begann dieses Projekt mit zwei achten Klassen. Etwa 40 Jugendliche nahmen an den zwei Unterrichtsstunden teil. In den ersten 45 Minuten wollte ich mich ganz den Themen Sterben, Tod und Trauer widmen und hatte dabei die Befürchtung, dass ich den Alleinunterhalter geben müsste. Umso mehr war ich angenehm überrascht, dass ich gleich auf meine erste Frage an die Schüler, wie man den Tod und das Sterben umgangssprachlich umschreibt, zahlreiche Wortmeldungen bekam. Die Schüler haben intensiv und ernst an der Erarbeitung der Sterbe- und Trauerphasen mitgearbeitet. Sie äußerten sich unbefangen auf Fragen danach, wie sie selbst gern einmal  sterben möchten und ob sie in ihrem Umfeld schon Todesfälle erlebt haben und wie es ihnen dabei ging. Als Überleitung zur zweiten Stunde hatte ich mir einen zehnminütigen Film zusammengestellt, in welchem ein Journalist darüber berichtet, wie es ihm bei einem siebentägigen Besuch eines Hamburger Kinderhospizes ergangen sei. Die Jugendlichen folgten dem Geschehen auf der Leinwand interessiert, aber auch beeindruckt. Der Filmbeitrag endete ziemlich genau mit dem Pausenklingeln, wobei ich vorher die Angst hatte, meine Zeit nicht richtig einteilen zu können.

Die zweite Stunde war ganz dem Thema „Hospiz“ vorbehalten. Nach einer kurzen Einführung (Was ist ein Hospiz? Seit wann gibt es sie und welche Ziele werden verfolgt?) widmete ich mich vor allem dem Unterschied zwischen Erwachsenen- und Kinderhospizen sowie stationären Einrichtungen und ambulanten Diensten. Anhand von Fotos stellte ich den Sonnenhof und mit einem kleinen etwa anderthalbminütigem Film die dort tätige Kinderärztin Frau Dr. Lieber vor. Danach erläuterte ich die Aufgabe von Familienbegleitern auch anhand von Fotos. Mit den Schülern konnte ich typische Krankheitsbilder lebensverkürzender Erkrankungen erarbeiten. Die Arbeit dieser Stiftung hat die Jugendlichen sichtlich beeindruckt. Da ich die Schüler mit dieser schweren Thematik nicht aus dem Klassenraum entlassen wollte, hatte ich einen zehnminütigen Ausschnitt aus einem Kabarett-Programm vorbereitet, das sich mit lustigen Bildern mit der Thematik Tod und Sterben auseinandersetzt und das die vorhandene Anspannung tatsächlich löste.

Die Schüler der 9. und 10. Klassen gingen nicht ganz so unbefangen mit der Thematik um. In diesen Klassenstufen war es schwieriger in einen Dialog einzutreten. Die Scheu der Schüler zu Beginn der jeweils ersten Stunde, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, war fast körperlich spürbar. Aber auch in diesen Jahrgangsstufen beteiligten sich die Schüler, wenn auch nicht so häufig, an der Erarbeitung der einzelnen Themenschwerpunkte.

Die an dem Projekt beteiligten Lehrer waren mit dem Projekt sehr zufrieden und der Applaus der Schüler am Ende der jeweils zweiten Stunde hat mir gezeigt, dass meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines solchen Unterrichts unbegründet waren. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass zahlreiche Schüler sich erstmals ernsthaft mit den Themen auseinandergesetzt haben.

Somit kann ich für mich das Fazit ziehen, mein selbst festgelegtes Ziel erreicht zu haben.

Zusammenfassend würde ich mir wünschen, dass auch solche Themen zukünftig Eingang in den Lehrplan finden, da sie einem praxisorientierten Unterricht entsprechen.

Jörn Wittke, Familienbegleiter der Björn Schulz Stiftung

Anmerkung: Im Rahmen des Projektes „Hospiz macht Schule“ gibt es die Möglichkeit, an einem zweitägigen Vorbereitungskurs teilzunehmen. Dieser findet über das Jahr verteilt in verschiedenen Städten statt. Wer sich dafür interessiert, melde sich bitte bei Barbara Beuth im Ambulanten Kinderhsopizdienst.

 

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Letzte Aktualisierung: 16.1.2018
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