Hände mit einem Foto

Geschwister-Wintercamp vom 25. bis 28. Februar 2017

Von Schätzen, Schutz und Schlemmereien


Pünktlich am Samstagvormittag kommen vier Jungs und sechs Mädels von allen Himmelsrichtungen am Irmengard-Hof an, um gemeinsam vier Tage zu verbringen. Die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren verbindet, dass sie alle zuhause ein Geschwister haben, das entweder schwer krank ist oder eine Behinderung hat. Beim Geschwistercamp vom 25. bis 28. Februar 2017 am Irmengard-Hof der Björn Schulz Stiftung soll es nun einmal nur um sie – die gesunden Kinder - gehen.

Am Anfang steht das Kennenlernen. Bei Geschicklichkeits- oder Strategiespielen im Freigelände rund um den Irmengard-Hof am Chiemsee fällt das Beschnuppern leicht. Und spätestens bei der Einteilung für den Küchendienst kennt man die Namen der anderen schon. Pro Mahlzeit kümmern sich ein Betreuer und zwei bis drei Jugendliche drum, dass die Tische schön gedeckt sind, es genügend zu Essen gibt und hinterher der Abwasch erledigt ist. Die Betreuer Renate Zahnbrecher, Martin Hartl und Agnes Niederthanner vom sozialpädagogischen Team am Irmengard-Hof haben alles im Vorfeld organisiert, so dass nur jeder mit anzupacken hat. Nachmittags lacht die Sonne und alle toben auf dem Bolzplatz. Die Gruppe löst im Wettbewerb oder zusammen verschiedene Aufgaben, wie etwa eine „Kugelbahn bauen“. Dabei kommt es auf die Geschicklichkeit jedes einzelnen an, damit die Kugel in einer mobilen Holzbahn ihren Weg findet und nicht herunterfällt. Das schweißt zusammen.

Für jeden einen Schatz
Am Abend gibt es eine erste Geschwisterrunde. Die Jugendlichen berichten, welche Beeinträchtigung ihr Bruder oder ihre Schwester haben und wie sich das auf ihren Alltag auswirkt. Anschließend geht es auf die Suche nach dem Schatz, der im Gruppenraum versteckt ist. Jeder Teilnehmer findet seinen persönlichen Stein, der ihn die nächsten Tage begleitet. Vor dem Zubettgehen kommt obligatorisch der „Werwolf“ - das Lieblingskartenspiel der Gruppe.

Der Sonntag beginnt mit großer Aufregung! Bei der Stallarbeit reißen die Esel Beppo und Blümchen aus. Zum Glück kommen sie nicht weit, zusammen mit Hausvater Jochen können die Helfer sie schnell wieder einfangen. „Am Irmengard-Hof erlebt man jede Menge Abenteuer!“, kommentiert eine Teilnehmerin das unerwartete Intermezzo. Anschließend stärken sich alle bei einem echten Männerfrühstück, welches der männliche Küchendienst zubereitete.

Die Kraft wird dann auch für große Taten im Bastelzimmer gebraucht. Jeder Teilnehmer baut eine eigene Schatztruhe, für den Schatz, der schon gefunden wurde und für die kommenden. Aus Holz wird die Kiste mit Nägeln und Leim zusammengebaut, was allen viel Spaß bereitet. Am Nachmittag geht’s dann mit der Fotokamera auf Motivjagd am Chiemsee. Die Bilder sollen die Deckel der Schatzkisten schmücken. Es entstehen so viele schöne Bilder, dass die Entscheidung schwer fällt. Anschließend werden die Motive ausgedruckt und in einem speziellen Verfahren, das über Nacht dauert, auf die Deckel der Schatztruhen aufgebracht. Alle sind gespannt!

Fast wie im Nobelrestaurant
Am Spätnachmittag geht’s nach Traunstein zum Bowlen. Einige haben das schon öfter gemacht und beeindrucken mit ihren Strikes. Bei der abendlichen „Küchenparty“ wird gemeinsam Pizza belegt, alle schlemmen. Abends treffen sich alle wieder zu einer weiteren Runde „Geschwisterarbeit“. Und wieder macht keiner die Augen zu, bevor nicht die Werwölfe zum Einsatz kommen.

Für den Montag steht eine erlebnispädagogische Aufgabe auf dem Programm, bei der jeder seine Stärken einbringt: Jeder einzelne muss den geheimen Weg finden, um von einem Ort zum nächsten zu kommen, und dabei die Gruppe mitnehmen. Das macht Hunger! Dabei hat der Frühdienst schon alle mit leckeren Pfannkuchen verwöhnt. Das Mittagsteam – bestehend aus zwei Jungs - will nun noch einen draufsetzen: Die Tische werden besonders schön gedeckt, mit gefalteten Servietten und Kerzen (selbstverständlich LED) kommen sich alle vor wie im Nobelrestaurant. Alle haben große Freude, es sich und den anderen schön zu machen!

Selbstverteidigung stärkt Selbstbewusstsein
Nach so vieler Kopf- und Handarbeit ist dann am Nachmittag bei wunderschönem Wetter Fußballspielen oder Spaziergehen am See angesagt. Dabei werden nochmals wunderschöne Erinnerungsbilder geschossen. „Zehn Dinge, die ich an Dir hasse“ – diesen Film von 1999 haben sich die Jungs für den Abend am Irmengard-Hof ausgesucht. Mit der Heimkinoanlage im großen Seminarraum Balu ist das kein Problem. Die Meinungen über den Streifen gehen anschließend jedoch weit auseinander: Die einen finden ihn „romantisch“ (Mädchen), die anderen „grottenschlecht“ (Jungs).

Und schon ist es Dienstag, der letzte Tag ist schneller da als erwartet. Erneut ist das Frühstück ein kulinarischer Höhepunkt: mit Pancakes und Schokofrüchten. Diese Stärkung ist auch bitter nötig für den anschließenden Selbstverteidigungskurs, bei dem alle lernen sollen, kräftig um sich zu schlagen und ohne Hemmungen zuzutreten, wenn‘s gefährlich wird. Durchgeführt wird der Kurs von der Know Ro Sportschule in Prien. Sigrid Maria Stögermair bringt den Jugendlichen bei, nicht zurückhaltend zu sein, wenn sie sich verteidigen müssen.

Das Wintercamp neigt sich dem Ende zu. Zuvor werden aber noch die Schatzkisten mit Farben und Zeichnungen dekoriert. Das Auftragen der Bilder hat hervorragend geklappt. Alle sind stolz und jeder nimmt ein kleines Meisterwerk, gefüllt mit Schätzen und Eindrücken der gemeinsamen Tage, mit nachhause. Das hilft ein wenig hinweg über den Abschied, der Teilnehmer und Betreuer traurig macht. Alle freuen sich schon auf das nächste Camp, bei dem man sich hoffentlich wieder am Hof trifft.

 

Kontakt:
Björn Schulz Stiftung Irmengard-Hof
Mitterndorf 1
83257 Gstadt am Chiemsee

Sozialpädagogisches Fachteam
E-Mail: sozialpaedagogen-ih@bjoern-schulz-stiftung.de
Tel. 08054/90851-67

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Letzte Aktualisierung: 22.6.2018
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