Hände mit einem Foto

Dona Kujacinski - „Unser Kind ist tot“

Bei einer Autorenlesung im Kinderhospiz „Sonnenhof“ habe ich das hier vorgestellte Buch kennengelernt. Ich war zunächst skeptisch, ob sich ein solches Thema in Buchform abhandeln lässt. Nach der Lektüre des Buches muss ich eingestehen, dass es der Autorin sehr gut gelungen ist, dem Leser die Schicksale von Müttern und Vätern, die ihr Kind verloren haben, nahe zu bringen. Dabei hat mich besonders fasziniert, dass sie nicht nur die Geschichte von im Kindesalter gestorbenen Kindern erzählt, sondern z.B. auch die Geschichte einer Mutter, deren 53-jährige Tochter gestorben ist. Gelungen ist in dem Buch die Auswahl ganz unterschiedlicher Schicksale, die teilweise auch öffentlich bekannt sind, wie z.B. die Geschichte einer jungen Frau, die bei dem Amok-Lauf in der Albertville-Realschule umgekommen ist, oder die Geschichte der jungen Soldatin, die bei einer Nachtwache auf der Gorch Fock unter ungeklärten Umständen über Bord gefallen ist.

Mich hat das Buch angesprochen, weil die  Autorin die Schicksale der betroffenen Eltern mit der nötigen Distanz, aber auch mit einer großen Portion Empathie schilderte. Es geht dem Leser sehr nahe, wenn die Autorin die Momente beschreibt, in denen die Eltern vom Tod ihres Kindes  erfahren. Es ist zugleich aber auch sehr lehrreich zu erfahren, wie die Eltern ihre Trauer bewältigen (oder in Einzelfällen eben nicht). In allen geschilderten Sachverhalten ist aber festzustellen, dass der Tod des Kindes die Lebenseinstellung der Eltern verändert hat, was teilweise auch zur Gründung von Stiftungen führte. Ich empfehle die Lektüre des Buches all denjenigen, die in der Trauerarbeit tätig sind oder die den Tod als Bestandteil des Lebens angenommen haben, und sich mit diesem Thema intensiver auseinandersetzen wollen.

Jörn Wittke

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Letzte Aktualisierung: 16.1.2018
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